Myanmar zählt trotz seiner reichen Rohstoff-Vorkommen zu den ärmsten Ländern der Welt. Seit 2011 befindet sich das Land am indischen Ozean jedoch in einem politischen und wirtschaftlichen Öffnungsprozess. Die jahrzehntelang herrschende Militärregierung wurde abgesetzt und mit den ersten verfassungsgebundenen Präsidentschaftswahlen schreitet die Demokratisierung voran. Die Wirtschaft wächst rasant und mit ihr vor allem auch die Textilindustrie. Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs und der damit einhergehenden Verbesserung der generellen Lebensbedingungen, gibt es auch eine negative Seite der Entwicklung. So entstehen neue Jobs oft in den Billiglohn-Sektoren, in denen man nicht selten prekäre Arbeitsbedingungen vorfindet.

 

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Auch wir stellen einen geringen Teil unserer Produkte in Myanmar her. Doch inwiefern können wir unsere Standards zur nachhaltigen Produktion in Myanmar umsetzen? Hannes aus unserem CR-Team stellt sich dieser Frage und gibt uns Einblicke in unsere Herangehensweise und in die Arbeitsbedingungen vor Ort.

 

Warum produzieren wir in Myanmar?

Seit 2016 lassen wir einen kleinen Teil unserer Produkte in Myanmar produzieren. Einer unserer langjährigen chinesischen Hauptproduzenten kam damals auf uns zu und hat uns die Herstellung unserer Rucksäcke in seiner neu eröffneten Produktionsstätte in Myanmar angeboten. Zu diesem Zeitpunkt war die Fabrik nicht ausgelastet und unser Produzent suchte nach Produkten, um die Auslastung zu erhöhen. Da wir unserem Produzenten in Bezug auf Qualität und Arbeitsbedingungen großes Vertrauen entgegenbringen, haben wir einer Produktion in Myanmar zugestimmt.

 

Wie würdest Du die Arbeitsbedingungen in Myanmar beschreiben?

Generell muss man beachten, dass es große Unterschiede zwischen den einzelnen Fabriken geben kann. Das Risiko, schlechte Arbeitsbedingungen vorzufinden, ist jedoch im internationalen Vergleich relativ hoch. Nach der wirtschaftspolitischen Öffnung Myanmars hat es Fortschritte im Bereich der Bürgerrechte gegeben. Dennoch finden Systeme zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen nur langsam Einzug. Viele Arbeiter wissen noch gar nicht, welche Rechte sie eigentlich haben. Eine konstruktive Verhandlungsbasis zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern muss erst noch etabliert werden.

Wir sind uns den Risiken, die eine Produktion in Myanmar mit sich bringt, bewusst und setzen uns in Zusammenarbeit mit der Fair Wear Foundation (FWF) für die stetige Verbesserung der Arbeitsbedingungen ein. Dazu gehört auch, dass wir unsere Produktionsstätten in regelmäßigen Abständen besuchen, um über Herausforderungen und Probleme zu diskutieren. Zusätzlich führt die Fair Wear Foundation sogenannte Audits durch, bei denen die Einhaltung von Arbeitsstandards akribisch überprüft wird. Um die Probleme noch tiefgreifender zu bewältigen, haben wir bereits ein Training durchgeführt, bei dem die Arbeiter über ihre Rechte aufgeklärt wurden und das Management geschult wurde.

 

Gibt es spezielle Anforderungen für unsere Produktion in Myanmar?

Die Fair Wear Foundation gibt für die Produktion in Myanmar strengere Anforderungen an die Überwachung der Arbeitsbedingungen vor. Jedes Jahr überprüft die FWF innerhalb eines Brand Performance Checks (hier mehr), ob wir diese Standards einhalten und somit unserer Verantwortung gerecht werden.

 

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Was sind konkret die größten Herausforderungen?

Wie so oft im Leben besteht das größte Problem in der Kommunikation. Oftmals gibt es keine geregelten Kommunikationskanäle zwischen Management und Arbeitern. Dies führt dazu, dass das Management existierende Probleme oft gar nicht erst wahrnimmt. Vor Ort äußert sich das dann nicht selten in organisierten Streiks von unzufriedenen Mitarbeitern. Erschwerend kommt hinzu, dass die Schere zwischen Arm und Reich durch ausländische Investitionen weiter auseinander geht. Die Arbeiter verdienen oftmals nur einen Bruchteil dessen, was ausländische Investoren umsetzen und wollen an diesem Reichtum teilhaben. Auf der anderen Seite sind die Investoren und Fabrikbesitzer auf niedrige Löhne angewiesen, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Auch dies führt häufig zu Konflikten.

 

Mit welchen Problemen in den Fabriken wurden wir bisher konfrontiert?

In den Fabriken, die für uns produzieren, haben alle Mitarbeiter die Möglichkeit telefonisch eine Beschwerde bei der Fair Wear Foundation einzureichen. Seit dem Start unserer Produktion in Myanmar haben drei Mitarbeiter von diesem Recht Gebrauch gemacht. In Zusammenarbeit mit der FWF und dem Fabrikmanagement konnten wir für diese drei Beschwerden eine Lösung finden, die für alle Seiten akzeptabel war. Darüber hinaus wurde die Arbeitssicherheit verbessert, die Löhne und die Lohntransparenz erhöht sowie ein engerer Austausch zwischen Management und Gewerkschaft erzielt.

 

Was haben wir aus diesen Beschwerden gelernt?

Wir haben gelernt, dass es trotz eines großen Vertrauens gegenüber unseren Lieferanten immer auch gut ist, sich selbst ein Bild vor Ort zu machen, tiefer zu bohren und sich dann proaktiv und in Kooperation mit den Lieferanten für eine Verbesserung der Situation einzusetzen. Obwohl es zu den oben geschilderten Verbesserungen kam, haben wir uns dazu entschieden, die ursprüngliche Produktionsstätte zu verlassen, da das Vertrauen in das Management im Laufe der Zeit immer mehr geschwunden ist. Seit November 2017 produzieren wir nun in einer anderen Produktionsstätte in Myanmar. Dort hatten wir vorab ein Audit durchgeführt und konnten Klarheit über die Arbeitsbedingungen und vor allem über die Arbeitssicherheit gewinnen. Seitdem gab es noch keine konkreten arbeitsrechtlichen Vorfälle. Jetzt steht bald ein erstes Follow-Up Audit zur Kontrolle der Arbeitsverhältnisse an.

 

Wie sieht es dort mit der Bezahlung aus?

Hier liegt eine nächste Herausforderung. Myanmar ist ein Niedriglohnland, mit einen der geringsten Mindestlöhne der Welt. Auch wenn er in diesem Jahr noch einmal angestiegen ist, liegt er momentan bei 4800 Kyat pro Tag (ca. 2,60 Euro).

Die Gehälter in unserer Produktion liegen allerdings über dem staatlich festgesetzten Mindestlohn. Bei der letzten Erhebung im Jahr 2017 lag das Durchschnittsgehalt 50% über dem damals vorgeschriebenen Gehalt. So bekam ein Arbeiter 158,000 Kyat pro Monat, was in etwa 84 Euro entspricht. Aufgrund der niedrigen Kaufkraft entspricht dies natürlich einem vielfach höheren tatsächlichen Gegenwert in Euro. Hinzu kommen noch Bonus- und Überstundenzahlungen.
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Wir haben, mit Hilfe des Umrechnungsfaktor der Weltbank, die Löhne in PPP$ (Purchasing Power Parity) umgerechnet und dargestellt. Dadurch lässt sich die tatsächliche Kaufkraft darstellen und die Löhne währungsunabhängig vergleichen. Die Daten wurden 2017 erhoben. Nach dem nächsten Audit werden wir aktuelle Zahlen der Lohnstruktur haben.

 

Wie sieht es in Zukunft aus, bleiben wir in Myanmar?

Wir planen immer langfristig mit unseren Lieferanten zusammenzuarbeiten. Da wir sowohl mit dem Qualitätsniveau als auch mit den Arbeitsbedingungen zufrieden sind, gilt dieser Grundsatz auch für Myanmar. Natürlich müssen wir beobachten, wie sich die Situation vor Ort genau entwickelt, dennoch glauben wir, dass wir mit unserem proaktiven Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen mehr erreichen, als wenn wir dem Land den Rücken kehren.

 

Weitere Fragen könnt ihr an unser CR-Team stellen: CR@FONDOF.de

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